Mohnzopf-Brötchen

Manchmal habe ich so Phasen. Phasen, in denen ich ganz schrecklich krüsch (für Nicht-Norddeutsche: krüsch=mäkelig) in bezug auf Essen bin. Da schmeckt mir irgendwie nix richtig, alles doof und wäh und wenn der Geschmack gut ist, passt mir das Mundgefühl nicht oder wasweißich. Anstrengend! Nicht nur für meine Mitmenschen, sondern vor allem für mich selber…

Da ich das aber von mir kenne (und auch weiß, dass das genauso schnell wieder weggeht wie es gekommen ist), habe ich mittlerweile herausgefunden, dass es ein paar Dinge gibt, die wirklich immer (IMMER!) gehen, lustigerweise sind das nur unsüße Sachen, denn süß mag ich in so Mäkel-Zeiten gar nicht. Und richtig vollkorniges Zeug auch nicht – zu anstrengend beim Kauen…

Was aber zB immer geht, sind nährstofflose Weißmehl-Sachen. Und in solchen Phasen sollte ich tunlichst den „Gelüsten“ folgen, egal wie gut ich das finde. Also gibt es dann bei uns weiße Nudeln und eben auch weißes Brot oder Brötchen (nicht nur, denn dem Gewissen zuliebe esse ich schon ab und zu eine Scheibe selbstgebackenes Vollkornbrot, aber…). Das ist aber gar nicht sooo schlecht, denn ich liebe es, Hefezeugs zu backen! Keine Ahnung, warum, aber Hefeteige in allen Variationen finde ich großartig. Ich mag es, den Teig zuzubereiten und anzufassen und zu kneten, aber auch, ihm quasi zuzusehen, wie er aufgeht, die Hefe Bläschen wirft und was für Prachtexemplare später aus dem Ofen kommen, obwohl doch nur so ein Fitzel Teig in der Schüssel war. Hefe ist etwas Wunderbares für mich.

Und richtig toll isses einfach nur mit hellem Mehl, da kann man mir erzählen, was man will.

Dieses Mal ist meine Wahl auf Mohnbrötchen gefallen und die sollten so riiiiiiichtig schön fluffig locker sein, mit knuspriger Kruste, gaaaanz viel Mohn und nicht hefig schmecken. Ach ja, und nicht süß. Es sind also keine Mohnstuten-Brötchen, sondern Semmeln. Mit Mohn. Und weil´s schöner aussieht, wurden es Zöpfe.

Die Zöpfchen sind wirklich großartig geworden. Exakt so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Da ich frische Brötchen zum Frühstück haben wollte, habe ich mich für eine lange Teigführung über Nacht entschieden, wodurch der Hefeanteil sehr gering ausfällt. Morgens muss man sie dann nur formen, Zimmertemperatur annehmen lassen während der Ofen aufheizt und dann backen. Heraus kommen herrlich frische knusprige Mohnbrötchen-Zöpfe oder Mohnzopf-Brötchen oder Zopf-Mohnbrötchen?! Egal, sie waren zumindest oberlecker – selbst für meinen Mäkel-Gaumen.

Mohnzopf-Brötchen

Mohnzopf-Brötchen

Zutaten für 6 Zöpfe:

  • 300 g Weizenmhel Typ 550
  • 1 Tl Salz
  • 1 Tl Rohrohrzucker
  • 3/4 Tl Trockenhefe
  • 150-160 ml kaltes Wasser (nicht extra kalt, sondern so, wie es aus dem Hahn kommt)
  • 20 g Alsan
  • 1 geh. Tl Maisstärke + 1 1/2 El Wasser
  • 4 El Blaumohn, ganz

Zubereitung:

Das Mehl mit Trockenhefe, Salz und Rohrohrzucker mischen. Das Wasser (zunächst nur 150 ml, wenn der Teig später zu trocken ist, noch einen Teelöffel mehr zufügen) zugeben und am Besten mit der Küchenmaschine/dem Handmixer mindestens 5 Minuten zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Der Teig sollte homogen sein und gut zusammenhalten, aber keineswegs zu weich oder feucht, da jetzt noch das Fett zugefügt wird.

Die Alsan vorsichtig schmelzen und das flüssige Fett in den Teig einarbeiten. Meiner Erfahrung nach geht das am Besten mit den Händen – man muss richtig quetschen und kneten, anfangs sieht es so aus, als würde sich das Fett und der Teig nie verbinden, aber nach 1-2 Minuten und etwas Kraft und Geduld erhält man einen wunderbar geschmeidigen Teig.

Den Teig in eine ausreichend große Schüssel mit Deckel geben und an einem kühlen Ort über Nacht stehen lassen.

Am nächsten Morgen den Teig aus der Schüssel nehmen, mit den Händen kräftig durchkneten und in 6 gleich große Stücke teilen. Jedes Teigstück nochmals halbieren (oder dritteln, je nachdem, was man für Zöpfe möchte) und dann auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche zu gleichmäßigen langen Strängen rollen. Jeweils zwei Stränge miteinander verflechten (es gehen natürlich auch drei, dann wird´s schöner, aber das war mir zu viel Arbeit) und die Enden etwas einschlagen.

So mit dem ganzen Teig verfahren. Die Stärke mit dem Wasser verrühren und den Mohn auf einen kleinen Teller geben. Jetzt die Oberfläche von jedem Zopf großzügig mit der Wasser-Stärke-Mischung einpinseln und in den Mohn drücken. Die Zöpfe mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Nun den Backofen vorheizen auf 220 °C Ober- und Unterhitze. Dann die Brötchen darin für 10 Minuten backen, dann die Temperatur auf 190 °C reduzieren und die Brötchen weitere 15 Minuten backen lassen.

Aus dem Ofen nehmen, etwas auskühlen lassen und so frisch wie möglich genießen.

Et voilà!

10 Kommentare

  1. Falls du hinsichtlich des hellen Mehls einen „gesunderen“ Kompromiss eingehen möchtest, versuch es doch mal mit 1050er Mehl. Das macht optisch und geschmacklich nicht den riesigen Unterschied zu Weißmehl, ist aber doch um einiges Nährstoff- und Ballaststoffreicher.
    (Ich kenne das von zu Hause her als Mehl für alles, was eben nicht Vollkorn sein soll, also Kuchen, Weihnachtsgebäck etc. – auch in meiner Küche findet man nichts Helleres und es hat bisher kein Testesser irgendwas zu beanstanden gehabt :))

    • Oh ja, stimmt! Das hatte ich irgendwie gar nicht mehr auf´m Schirm…hihi, dabei hab ich das selber lange benutzt. Gibt´s ja auch in jedem Bioladen und größeren Supermarkt. Besorg ich doch morgen gleich mal wieder. Vielen Dank für den Anstups :-)

  2. Die sehen ja sooo lecker aus! Und es gibt auch kaum etwas besseres als Mohnbrötchen… uiuiui… und dann auch noch so wenige Zutaten… vielleicht wird das das erste Rezept, das ich mal nachbacken werde. :-)

    (Es ist total egal eigentlich, aber warum keine Frischhefe?)

    • Danke!
      Ich variiere immer zwischen Trocken- und Frischhefe, wobei ich Trockenhefe meist bei Teigen mit langer Führung nehme (Trockenhefe braucht meiner Erfahrung nach etwas länger zum Gären) und Frischhefe bei schnellen Teigen. Aber manchmal ist die Auswahl auch einfach ganz simpel pragmatisch: Trockenhefe habe ich nämlich immer auf Vorrat zu hause… :-)

  3. Großartiges Rezept für gigantisch leckere Brötchen!
    Ich habe sie für das heutige Frühstück ausprobiert und kann noch immer nicht fassen, (von mir) selbstgebackene Brötchen gegessen zu haben.
    Verträgt es der Teig, wenn ich mehr Zucker zugebe, um süße Mohnbrötchen zu erhalten?

    • Hach, Danke für deine lieben Kommentare :-)
      Ja, du kannst problemlos mehr Zucker in den Teig geben für süße Brötchen – ich würde dann statt Wasser vielleicht Sojamilch nehmen und evtl. brauchst du ein wenig mehr wg dem Zucker (also ca. 160-170 ml Sojamilch). Alternativ kann ich dir sonst noch dieses Rezept hier ans Herz legen – ergibt eine Art Stuten (nicht soooo süß) und kannst du einfach als Brötchen oder Zöpfe backen. Wenn du´s lieber süßer magst, auch hier einfach die Zucker-Menge noch etwas erhöhen.
      Viele Grüße*

  4. Hey, die sehen ja super aus… meinst du das geht auch mit normaler Stärke oder schmeckt das dann komisch oder so was? Hab leider keine Ahnung von Maisstärke :/
    Liebst
    Mondmädchen

    • Hallo Mondmädchen,
      die „normale“ Speisestärke, die Du im Supermarkt kaufen kannst, ist fast immer reine Maisstärke, du kannst aber auch jede andere Stärke nehmen :-)
      Viele Grüße*

  5. Hallihallo,

    eine Frage hätte ich mal: hast du eine Ahnung, ob man den Teig vorbereiten, die Brötchen formen und dann das ganze einfrieren kann, um sie dann bei Bedarf in gefrorenem Zustand in den Ofen zu legen? So wie fertig gekaufte Aufbackbrötchen? Bzw. evtl. kurz vorbacken und dann einfrieren? Hast du so etwas schon mal probiert? Deine Seite ist so toll, du scheinst mir eine Menge Ahnung zu haben…..

    • Liebe Melanie,
      also, die rohen Teiglinge habe ich noch nicht versucht einzugefrieren – würde aber wahrscheinlich die Teiglinge formen, gehen lassen, eingefrieren und dann im gefrorenen Zustand in den Ofen geben, das könnte funktionieren.
      Brötchen nur halb fertig zu backen, eingefrieren und später dann einige Minuten fertig zu backen, habe ich schon getestet und das hat gut funktioniert.
      Zu den Backzeiten kann ich Dir allerdings nichts sagen, da ich da nie auf die Uhr geschaut habe…
      Falls Du´s ausprobierst, berichte mal über deine Ergebnisse, ja?! :-) Finde das nämlich immer sehr interessant!
      Viele Grüße*

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